Wasseraufbereitung und sauberes Trinkwasser als Lebensgrundlage

Eine der top Prioritäten für jemanden, der in einer Katastrophen-Situation ums Überleben kämpft ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser. Menschen können ohne Nahrung bis zu vier Wochen überleben, ohne Trinkwasser können, je nach Umgebung und Temperatur, bereits nach wenigen Stunden die ersten Anzeichen einer Dehydrierung auftreten.

In einer Krisen-Situation kann sich niemand darauf verlassen, noch kurz im Lebensmittelladen "ein paar Liter" Wasser zu kaufen. In der Regel geht man davon aus, dass im Katastrophen-Fall der herkömmliche Weg für sauberes Trinkwasser weiterhin funktionieren wird - der Wasserhahn im Badezimmer oder der Küche. Diese Annahme ist leider falsch und wir raten dringend davon ab, sich ausschliesslich auf diese Wasserquellen zu verlassen! Bei Stromausfall oder Überschwemmungen kann unser Wasser Viren und Mikroorganismen enthalten, die für die Gesundheit schädlich sind. Der fehlende Zugang zur sicheren Trinkwasserversorgung ist welweit eine der grössten Ursachen für Spitalaufenthalte und Todesfällen weltweit (siehe Unicef Bericht).

Sauberes Trinkwasser: Priorität Nummer Eins im Katastrophe-Fall ist genügend Trinkwasser zur Verfügung zu haben.

Dieses Review deckt verschiedene Wasseraufbereitungsmethoden, die sowohl für den Bug-out-bag, den Get-Home-Bag und für die Vorratshaltung zuhause nützlich sind. Die Produkte die wir hier vorschlagen, haben wir im Detail getestet und eine clevere Auswahl davon sollte die erste Anschaffung sein, die Du für deine Katastrophen-Vorbereitung tätigst.

Zusammenfassung

Die wichtigsten Punkte aus diesem Artikel im Überblick:

  • Kontaminierung: Wasser kann im Katastrophenfall wie Stromausfall oder Überschwemmungen kontaminiert sein und dadurch schwere Erkrankungen bewirken. Im Katastrophen-Fall ist eine Erkrankung ausgesprochen ungünstig.
  • Wasseraufbereitung: Es gibt eine Vielzahl Möglichkeiten, Wasser aufzubereiten - Filter, Chemische Reinigung, Destillation, Abkochen, Osmose, UV Licht Behandlung. Alle Methoden haben Vor- und Nachteile.
  • Wasserquellen im Notfall: Im Krisenfall sind nicht nur fliessende Bergbäche, sondern auch dreckige Wasserpfützen valable Optionen um an trinkbares Wasser zu gelangen.
  • Produktemix: Wir empfehlen nicht nur eine Methode der Wasseraufbereitung sondern eine sinnvolle Kombination verschiedener Techniken.
  • Filter als erste Wahl: Die primäre Aufbereitungsart sollten Wasser-Filter sein. Ergänzend können chemische Reinigungstabletten oder das herkömmliche Abkochen benutzt werden.
  • Reinigungskapazität: Die Anzahl Liter die mit einer Methode gereinigt werden können, spielen eine Rolle wenn die Zahlen klein sind ( z.B. 10-100L). Enorme Zahlen, wie z.B. Filter die 100000L Wasser reinigen können, gelten nur für perfekte Bedingungen die im Krisenfall sowieso nicht relevant sind. Solche Zahlen sind Marketingtricks und können in den meisten Fällen ignoriert werden - wichtig ist, dass solche Filter für eine ausreichend lange Zeit funktionieren.

Unsere Empfehlung lautet, mindestens zwei unabhängige Wasseraufbereitungsmethoden pro Notfall-Sack (für den Bug-out-Bag und den Get-Home-bag) zu besitzen. Eine Mischung von Methoden ist sinnvoll, denn keines der Produkte ist perfekt und Redundanz kann, gerade bei Trinkwasser, nicht schaden. Selbstverständlich sollte man pro Notfall-Sack immer eine Flasche Wasser bereit haben - diese hilft den unmittelbaren Durst zu stillen und kann anschliessend als Gefäss für aufbereitetes Wasser dienen. Dann wird es wichtig, dass deine Aufbereitungstools auch mit deiner Flasche zusammenspielen können - es wäre zum Beispiel unvorteilhaft, wenn deine Gefässe für sauberes und dreckiges Wasser nicht auf die Filter passen, die Du dir zulegst.

Inhaltsverzeichnis

Warum Wasser so wichtig ist - Dehydrierung und Erkrankungen

Wir alle kennen und wissen um die Wichtigkeit von sauberem Trinkwasser. Medien und Presse melden regelmässig, dass in Katastrophengebieten frisches Wasser Mangelware ist. Bei Erdbeben oder anderen Umweltkatastrophen, müssen wir davon ausgehen, dass ein kurzer Trip ins Shoppingcenter nicht mehr zu trinkbarem Wasser führt. Die Infrastruktur und die Transportwege können beschädigt sein. Auch Trinkwasserleitungen und Abwasserkanäle könnten zerstört oder sauberes Wasser kann mit Abwasser kontaminiert sein. Gute Vorbereitung ist beim Trinkwasser ein absolutes Muss und sollte die erste Priorität sein, wenn man sich auf Katastrophen vorbereiten will.

Schon in der Grundschule lernen wir, dass rund 2/3 des menschlichen Körpers aus Wasser besteht. Durch Schwitzen und Ausscheidungen verliert der Körper Wasser. Der Wasserhaushalt muss über Nahrung und Getränke wieder ausgeglichen werden. Ist dies nicht der Fall, droht dem Körper eine Dehydrierung, die durch unterschiedliche Symptome erkennbar wird. Dazu gehören Durst, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Bald treten Schwindel und Schwäche ein - bei grosser Hitze oder Anstrengungen kann die Gefahr für einen Hitzeschlag ansteigen, da der Körper nicht mehr durch Schwitzen gekühlt wird. Bei anhaltendem Flüssigkeitsmangel wird die Urinmenge abnehmen, der Blutdruck wird sinken und es können Nierenschmerzen und Muskelkrämpfe auftreten. Verhaltensänderungen, Halluzinationen und Bewusstlosigkeit sind die letzten Anzeichen bevor der Körper einen Kreislaufzusammenbruch erleidet und schliesslich im Koma oder Tod verendet.

Zuwenig oder keine Wasserzufuhr, führt innerhalb weniger Tage zum Tod. Es gibt aber noch eine weitere Gefahren, die vorallem bei nichtbehandeltem Wasser vorkommen: Biologische Organismen, Giftstoffe und Sedimente sind die drei Stoffe die in unbehandeltem Wasser existieren und welche dem menschlichen Körper schaden können.

Biologische Organismen können ein breit gefächertes Spektrum einnehmen. Häufig werden auf Produkten zur Wasseraufbereitung folgende Typen ausgewiesen:

  • Algen: Häufig grün-braun oder blau schimmernde Organismen die im lichtdurchfluteten Wasser entstehen und wachsen. Einige Algenarten und deren Blüten werden für den Menschen als gefährlich eingestuft.
  • Bakterien: Stammen häufig von Fäkalabfällen wenn entweder die sanitäre Infrastruktur nicht mehr voll funktionsfähig ist oder Tiere Zugang zum Wasser haben. Oft genannte Beispiele sind: Kolibakterien (E. coli), Salmonellen, Shigellen und Cholera Erreger (Vibrio cholerae)
  • Viren: Sind infektiöse Strukturen die sich verbreiten und nur innerhalb eines Wirts vermehren. Darunter sind bekannt: Hepatitis A, SARS, Kinderlähmung (Polioviren) oder die Maul- und Klauenseuche.
  • Parasiten: Grössere Organismen die organisches Material (z.B. Körperflüssigkeiten von Menschen) essen und damit dem Wirt schaden. Bekannte Beispiele sind die Lamblienruhr, Kryptosporidien, Amöben oder andere Würmer wie Kokzidien.
Als Zysten werden im Prinzip nichts anderes als "schlafende" Bakterien die auf eine Aktivierung in einer günstigen Umgebung (Temperatur und Feuchtigkeit), wie zum Beispiel in einem menschlichen Körper als Wirt, warten. Sie werden gelegentlich auch auf Produktbeschreibungen separat aufgelistet.

Giftstoffe umfassen sämtliche Chemikalien, Schwermetalle oder andere industrielle Abfälle. Es kann sich hierbei um Pestizide, Herbizide, Öle, Lösungsmittel, Farben oder auch Schwermetalle, die sich über längere Zeiten im Körper ablagern (z.B. Blei oder Quecksilber) handeln.

Sedimente sind Partikel von Dreck, Sand, Split, pflanzliche und tierische Feinteile (z.B. Knochen.)

Sprudelnder Bergbach - fliessendes Wasser ist typischerweise sicherer als stehendes Wasser. Allerdings kann auch dieser Bach unsauberes Wasser enthalten und für böse Überraschungen sorgen.

Die wichtigsten Gefahren und die dominanten Risiken von unbehandeltem Wasser sind abhängig von geographischer Lage und Klima. In entwickelten Ländern, wie Europa und Nordamerika können das die Erreger der Lamblienruhr oder auch Kryptosporidien sein - also Verunreinigungen des Wassers mit Fäkalbakterien. Viren sind typischerweise ein Problem im heissen Klima und weniger entwickelter Infrastruktur - z.B. in afrikanischen Ländern oder Indien.

Generell gilt, dass fliessendes Wasser sicherer ist als stehendes Wasser - der Wasserfluss über Steine und Sand wirkt wie ein Filter und die Verdünnung gefährlicher Stoffe ist wesentlich höher als bei stehenden Gewässern. Trotzdem kann auch fliessendes Wasser Gefahren enthalten - die Abhängigkeit von was Flussaufwärts geschieht, bleibt natürlich bestehen. Giftstoffe sind hauptsächlich nahe bei Städten, schweren Industrieanlagen oder Minen ein Problem. Ein frischer Bergbach der aus einer unterirdischen Quelle entspringt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit keine gefährlichen Chemikalien im Wasser.

Wasserquellen im Katastrophenfall

Im Katastrophenfall ist es wichtig, sich nicht zu stark auf bestimmte Szenarien einzustellen. Du lebst neben einem Bach, Fluss oder See? Natürlich, dass können Optionen sein um Dich im Krisenfall mit Wasser zu versorgen. Aber wie handelst Du bei einem Chemieunfall, der sämtliche Gewässer in deiner unmittelbaren Umgebung unbrauchbar macht? In diesem Fall, oder wenn Du dein Zuhause verlassen musst, könnte soetwas eine mögliche Trinkwasserquelle werden:

Regenpfütze als Wasserquelle für die Notsituation - für gut vorbereitete Prepper kein Problem.

Realistisch betrachtet, ist die Wahrscheinlichkeit dass Du im Krisenfall aus einer frischen Quelle Wasser ergattern kannst sehr gering - die meisten von uns wohnen in grossen Städten. Berücksichtige deine unmittelbare Umgegung wenn Du dir Wasseraufbereitungsprodukte kaufst und lasse dich bei deiner Wahl nicht von billigen Marketing Tricks übers Ohr hauen.

Unglücklicherweise werden die natürlichen Wasserquellen im Katastrophenfall von Jahr zu Jahr stärker mit Gefahrenstoffen versetzt. Grund dafür sind menschliche Aktivitäten, wie das Düngen oder Spritzen von Herbiziden, industrielle Abfälle die nicht fachgerecht entsorgt werden, Mikroplastik und vieles mehr. Diese Tendenz der schlechteren Trinkwasserqualität kann sich während grossen Katastrophen, zum Beispiel Überschwemmungen oder Stürmen nocheinmal sprunghaft verschlechtern. Abwässer und Ausläufe werden in solchen Fällen mit qualitativ hochwertigen Trinkwasser vermischt. Die Risiken sind relevant - während dem Hurricane Harvey war das Flutwasser dermassen kontaminiert, das Leute bei Kontakt krank wurden. Ein denkbar schlechter Moment um mit Durchfall und Übelkeit kämpfen zu müssen.

Übrigens ist auch Salzwasser - also Wasser mit einer Lösung unterschiedlicher Salze von mehr als 1% Massenanteil - für den menschlichen Körper schädlich. Osmose - die Passage von Wasser und Salzen durch eine semipermeable Membarn - führt zum Austrocknen der Zellen. Schade, denn rund 97% des Wassers auf der Erdoberfläche ist Salzwasser.

Methoden der Wasseraufbereitung

Wie bereits oben erwähnt, gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Möglichkeiten, die Wasserqualität erheblich zu verbessern. Jede Methode hat Vor- und Nachteile und es gilt die Balance zu finden zwischen Risiken im Trinkwasser und Aufwände, die dafür betrieben werden müssen.

  • Filter: Halten in einem feinen Netz Partikel mechanisch auf und trennen das Wasser damit physisch von Schadstoffen.
  • Chemische Reinigung: Die Versetzung von Wasser mit Chemikalien wie Chlor oder Iod deaktiviert oder tötet vorwiegend biologische Organismen. Die Funktionsweise ist die gleiche wie im Swimming Pool.
  • UV Licht: Die Behandlung des Wassers mit ultraviolettem Licht tötet ebenfalls biologische Organismen ab.
  • Abkochen: Durch Abkochen von Wasser wird die Temperatur von Organismen soweit erhöht, dass die Zellen absterben.
  • Osmose: Die Auftrennung von Teilchen durch eine semipermeable Membran ist häufig nur mit hohem Druck effizient.
  • Destillation: Durch Abkochen und Erhitzen vom Wasser wird Wasserdampf erzeugt und an einer kälteren Fläche wieder eingefangen. Das Reinigungsverfahren durch Sepraration ist mit Abstand das sicherste, weil Giftstoffe und Sedimente in der Regel nicht gleichzeitig wie Wasser verdampfen. Zusätzlich werden Organismen aufgrund der Temperatur absterben. Besser geht's nicht.
  • Welche Methoden sind für die Katastrophen-Vorbereitung am besten?

    Wer sich auf Katastrophen und Notsituationen vorbereitet, ist bezüglich Wasseraufbereitung typischerweise am besten beraten mit einer Kombination aus Filtern und chemischer Reinigung. Das gilt für die meisten von uns, aber es gibt Ausnahmen, die wir im nachfolgenden Abschnitt begründen.

    Die Destillation ist der sicherste und effektivste Weg, um sauberes Wasser zu erhalten. Allerdings ist die Destillation ein aufwändiges Verfahren, dass für die meisten Katastrophen nicht unbedingt praktisch ist. Man braucht entweder eine ausgeklügelte Ausrüstung welche nicht ohne Weiteres transportiert werden kann oder fortgeschrittene Fähigkeiten um eine eigene Distille aufbauen und effizient betreiben zu können. Ähnliches gilt für das Prinzip der Osmose. Da eines der grundlegenden Prinzipien der Katastrophen-Vorbereitung sein sollte, dass Du nicht weisst was passieren wird, sind solche Ausrüstungen mit Sicherheit nicht unsere erste Wahl.

    Auch Systeme die ultraviolettes Licht für die Sterilisation verwenden sind unhandlich: Um sie zu betreiben braucht man Elektrizität und die Ausrüstung ist kompliziert genug, dass sie sich im Fehlerfall kaum selber reparieren liesse. Wenn Du keinen Dieselgenerator im Bug-out-Bag rumschleppen möchtest, sind solche Systeme vermutlich auch nicht die erste Wahl.

    Das Abkochen von Wasser ist eine gute Methode - die allerdings etwas Zeit und Feuer voraussetzt. In unseren Augen ist das Abkochen eine Backup-Wasseraufbereitung auf die Du immer zugreifen kannst, wenn Du Feuer machen kannst und ein feuerfestes Gefäss bei dir hast.

    Reinigende Chemikalien sind eine günstige Lösung die wenig Platz und Gewicht erfordern und deswegen hervorragend für deinen Bug-out-Bag oder deinen Get-Home-Bag geeignet sind. Ausserdem sind Chemikalien gerade für gewisse biologische Organismen die bessere Lösung - da Filter diese nicht vollständig entfernen können. Trotzdem empfehlen wir die Reinigungstabletten nur als Ergänzungsaufbereitung zu Filtern. Die Gründe dafür sind folgende:

    • Dauer der Aufbereitung: Einen Liter Wasser zu behandeln kann schnell mal ein bis zwei Stunden dauern. Parasiten wie Kryptosporidien haben eine äussere Schale die hart zu knacken ist, die chemische Reinigung dauert daher lange.
    • Haltbarkeitsdatum: In der Regel sind die Tabletten nur ein paar Jahre haltbar. Du wirst Dein Fluchtrucksack also updaten müssen.
    • Kapazität: Mit einer normalen Packung Reinigungstabletten lassen sich vielleicht 100-200L Wasser aufbereiten. Bei Filtern spricht man schnell von 1000 mal mehr.
    • Sicher aber unschön: Chemisch behandeltes Wasser ist zwar sicher, aber nicht unbedingt klar.

    Nachfolgendes Bild zeigt den Effekt der Aufbereitung. Sowohl Chemische Reinigung, UV-Behadlung und das Abkochen wird gefährliche Organismen abtöten, aber keine Sedimente und Partikel entfernen. Du wirst also mit diesen Methoden zwar technisch ungefährliches Wasser erhalten - aber es kann immer noch furchtbar aussehen und schmecken.

    Sauberes und dreckiges Wasser in Glas: Beide Gläser sind aufbereitet (einmal chemisch, einmal chemisch und mit Filter). Würdest Du nicht eher das saubere Glas Wasser trinken wollen?

    Wir empfehlen aus diesen Gründen primär auf ein Filtersystem zu setzen. Diese sind leicht, handlich und können für grössere Mengen Wasser eingesetzt werden. Ergänzend haben wir eine Packung Reinigungstabletten in unseren Fluchtrucksäcken - diese setzen wir ein, wenn wir der Meinung sind, dass das Wasser "nicht gut aussieht" oder bekanntermassen das Trinkwasser verseucht ist. Unsere Strategie ist also: Zunächst Filtern, und im Anschluss bei Bedarf entweder chemisch Reinigen oder Abkochen. Damit haben wir mit möglichst wenig Aufwand sämtliche Risiken abgedeckt und haben parallel Redundanz in unserer Wasserversorgung geschaffen.

    Funktionsweise von Filtern

    Filter benutzen Poren in Gittern oder Netzen um Partikel vom Wasser zu trennen. Die Porengrösse bestimmt, was passieren kann und was nicht. Je grösser die Poren sind, desto mehr Durchfluss ist möglich (es lässt sich mehr Wasser aufbereiten) - allerdings lassen grosse Poren auch mehr Teilchen und Schadstoffe durch. Der Kompromiss bei Filtern ist entsprechend: Wie lange ich um einen Liter Wasser aufzubereiten und welche Gefahren sind in diesem Liter Wasser nach der Behandlung noch vorhanden.

    Da die Porengrösse des Filters einen so entscheidenden Einfluss auf die Wasserqualität hat, ist es sinnvoll zu wissen, wie gross gewisse Schadstoffe sind. Typische Grössen in Mikrometern (also 1/1000 Milimeter) sind:

    • Schwermetal-partikel: 0.001-0.5 Mikrometer
    • Viren: 0.005 bis 0.5 Mikrometer
    • Bakterien: 0.2 bis 2 Mikrometer
    • Staub-partikel: 1 bis 50 Mikrometer
    • Asbest-partikel: 1 bis 100 Mikrometer
    • Parasiten: 5 bis 50 Mikrometer
    • Algen: 5 bis 25 Mikrometer
    • Haardicke: 70-100 Mikrometer

    Eine wichtige Kenngrösse beim Kauf eines Filters ist also die Porengrösse - damit lässt sich relativ direkt ableiten, welche Gefahren eliminiert werden können. Allerdings spielen einige Anbieter leider Marketingspiele und kennzeichnen die kleinste Partikelgrösse die in ihrem Filter hängen bleibt. Ein Beispiel: Auch bei einer Filter-Porengrösse von 5 Mikrometern, wird ab und zu ein 3 Mikrometer- Partikel hängen bleiben - es gibt nun Firmen die diesen Effekt ausnützen und das Produkt entsprechend verstehen. Zusätzlich gibt es Filter, die verschiedene Technologien miteinander kombinieren - z.B. mit zusätzlichen Beschichtungen der mechanischen Filter und die damit die Filterwirkung verstärken. Bei einem Kauf also unbedingt auf die Porengrösse der Gitter und die Kombination der Techniken achten und gegebenenfalls nachhaken.

    Aufgrund der Grösse, kann praktisch jeder vernünftige Filter Bakterien und Parasiten rausfiltern - bei Viren wird die Auswahl schon bedeutend geringer. Filter mit Aktivkohle-Elementen entfernen zusätzlich einige Chemikalien und schlechten Geruch/Geschmack - der Mechanismus ist der gleiche wie er häufig in Gasmasken verwended wird. Salze und andere Elemente wie Chlor oder Fluor lösen sich im Wasser und können nicht mehr mit Filtern separiert werden. Hier hilft nur noch die Destillation.

    Die unterschiedlichen Filtertypen die im Markt erhältlich sind, unterscheiden sich nun im Wesentlichen nur darin, wie das verschmutzte Wasser durch den Filter gezogen wird. Das kann durch den Sog vom Saugen entstehen - Strohhalm-Filter oder Flaschen Filter. Andere Optionen sind die Schwerkraft (sogenannte Gravity-Filter) oder Handpumpen, bei welchen die Pumpbewegung das Wasser durch einen Filter drückt. Es gibt auch Filter, die sich an beliebige Flaschen und Gefässe anhängen lassen und mit jeglichen Methoden zurecht kommen - solche Inline Filter sind besonders vielseitig einsetzbar.

    Worauf wir bei der Auwahl achten

    Ein guter Filter für die Katastrophen-Vorbereitung ist nicht notwendigerweise auch ein guter Filter für die Bergtour oder einen Campingausflug. Wie bereits oben erwähnt - in Europa ist die Gefahr für Virenerkrankungen unter Standardbedingungen relativ gering. Für eine Wandertour suche ich also einen Filter mit entsprechend grosser Porengrösse, höherer Durchflussrate und spare mir das Geld für einen sehr feinen Filter. In einer Notsituation mit einem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche möchte ich mich aber genau dagegen schützen. Der Kontext spielt eine Rolle - deswegen gewichten wir den Schutz genen Virusinfektionen höher als dies im Normalfall oder im Outdoorbereich notwendig ist.

    Ausserdem fokusieren wir auf die Eigenschaften der Filter die sowohl unterwegs wie auch zu Hause von Nutzen sein können. Darunter fallen:

    • Welche Gefahren kann der Filter eliminieren?
    • Wie einfach ist der Filter zu bedienen?
    • Braucht der Filter zusätzliche Komponenten? z.B. Batterien?
    • Wie einfach ist der Filter zu reinigen oder brauchts komplizierte Wartung? Wie häufig ist das notwendig?
    • Wie tragbar und flexibel lässt sich der Filter einsetzen?
    • Wie schnell lässt sich eine sinnvolle Menge Wasser reinigen?

    Wir bevorzugen das gereinigte Wasser in ein Gefäss abfüllen zu können und sind skeptisch genenüber modularen Produkten die sehr viele Teile benötigen - diese können nur verloren gehen oder haben ein höheres Ausfallrisiko.

    Produktempfehlungen

    Nachfolgend stellen wir unsere Produktempfehlungen in den jeweiligen Kategorien zusammen. Unsere Favoriten: Pumpen und vielseitig einsetzbare Inline Filter.

    Pumpen

    Pumpen sind praktisch und effizient, weil die Arbeit für die Wasseraufbereitung mit den Armen und nicht mit der Saugwirkung vom Mund gemacht wird. Sie funktionieren besser bei Pfützen und flachen Gewässern - weil sie oftmals mit separaten Vor- und Rücklaufschläuchen geliefert werden. Weiterer Vorteil: Du kannst soviel Wasser wie benötigt aufbereiten und dieses auch einfach in andere Gefässe pumpen. Allerdings kannst Du Wasser nur aufbereiten wenn Du aktiv bist und pumpst (anders als zum Beispiel bei den Gravity Kits).

    Viele Pumpen verwenden Keramikfilter um Schadstoffe einzufangen. Diese lassen sich einfach mit einer Bürste reinigen und haben den Vorteil, dass man den Zustand des Filters jeweils direkt beurteilen kann. Keramikfilter können in der Regel keine Viren rausfiltern. Andere Pumpen verwenden Membranfilter - diese können meistens ausgespühlt werden - dafür hat man keine Ahnung in welchem Zustand die Membran sich befindet.

    Beste Filter-Pumpe für die Meisten
    Bakterien und Protozen Schutz mit einem austauschbaren 0.2 Mikrometer Glasfaser/Carbonfaser Filter. Viren werden nicht gefilter. Kapazität etwa 1100L. Wirklich gut ist die Schnellkupplung, die es ermöglicht, das saubere Wasser in verschiedene Gefässe zu leiten.

    Wenn Produktqualität wichtiger ist als die Möglichkeit, Viren zu filtern, empfehlen wir ohne Zweifel den Katadyn Hiker Pro. Wer Filter mit Virenschutz benötigt, dem empfehlen wir den MSR Guardian der für die amerikanische Armee entwickelt wurde. Ein Upgrade ohne Virenschutz, dafür so robust dass vermutlich ein Panzer drüber fahren kann, für den ist der Katady Pocket die richtige Lösung.

    Bester Filter inklusive Virenschutz
    Vollumfänglicher Schutz (d.h. Bakterien, Protozoen und Viren werden gefiltert) inklusive Selbstreinigungsmechanismus, der bei jedem Pumpenhub gleichzeitig den Filter spült. Ursprünglich fürs US Militär entwickelt und heute sicher die beste Option für Orte, wo Viren ein Thema sind. Hohe Durchflussrate (bis 2.5L/Min). In unseren Augen nicht ganz so robust, wie der Katadyn Pocket, aber ein sehr guter Filter für die ensprechenden Katastrophen.

    Bestes Upgrade ohne Virenschutz
    Populäres Upgrade mit einem 0.2 Mikrometer, silber-beschichteten Keramikfilter. Lebensdauer gemäss Angaben 50'000 Liter. Etwas klobig, aus robusten Materialen und gut gebaut. Braucht etwas Vorsicht in der Lagerung, aber ansonsten, unser Lieblingsfilter!

    Inline Filter

    Inline Filter sind am vielseitigsten einsetzbar - als Strohhalm mit dem Sog des Saugens, auf eine gewöhnliche Wasserflasche aufgesetzt oder sogar an einem Schlauch befestigt in einen selbstgebauten Gravity Kit. Sie sind erstaunlich klein und leicht weil sie keinen Pumpmechanismus oder andere Funktionen benötigen. Wenn Du dir nur einen Filter kaufen möchtest, wäre eine solche Option sicherlich sinnvoll.

    Zu beachten gibt es, dass die meisten Inline Modelle keine Viren filtern können. Ausserdem sind die Kapazitäten enorm unterschiedlich - achte darauf, dass dein Filter nicht bereits nach 100 Litern den Geist aufgibt.

    TOP Inline Filter
    Mit 0.1 Mikometer Hohlfasermembran-Filter ausgestattet, filtert der Hydroblu Versa Flow ein Löwenanteil der gefährlichen Stoffe in gängigem Mitteleuropäischen Umfeld. Super praktisch: Die 28mm Gewinde (Weibchen).

    Top Alternative
    Bester Wasserfilter
    Wasserfilter mit sehr niedriegem Gewicht (weniger als 60g). Ideal um unterwegs sauberes Wasser zu produzieren. 0.1 Micrometer Filter Porengrösse - filtert einen Grossteil der üblichen Bakterien aus verschmutztem Wasser.

    Bestes Upgrade
    Hohlfasermembram-Technologie mit 0.1 Mikrometer Filtergrösse - Filtert Bakterien und Protozoen. Lebenslange Herstellergarantie - insgesamt empfehlenswert!

    Gravity Kits

    Die Methode die am wenigsten Arbeit erfordert um Wasser mittels Filtern aufzubereiten sind Gravity Kits - Anstelle von Sog durch den Mund oder Muskelkraft bei Pumpen, wird hier die Schwerkraft verwendet um Wasser durch einen Filter zu ziehen. Typischerweise wir Wasser in einem Sack aufgehängt und über einen Schlauch und einen InlinefilterHäufig aufbereitet. Einige Kits haben den Filter direkt im Wassersack eingebunden. Häufig haben Gravity Kits die höchsten Durchflussraten.

    Gravity Kits haben eine hohe Popularität im Outdoor-Bereich da sie mit wenig Aufwand genügend Wasser für viele Leute aufbereiten können. Die Schwerkraft zu benutzen ist clever und eine fixe Installation kann, zum Beispiel zu Hause, die Notsituation erleichtern und aufwendige tägliche Routinen eliminieren. Allerdings sind wir der Meinung, dass ein Gravitiy Kit aus einem Inline Filter und den zugehörigen Gefässen und Schläuchen, selber gemacht werden kann. So kann der Filter auch einfach umgekehrt eingebaut und dadurch gereinigt werden. Ein Kit ist entsprechend ein Nice-To-Have, und kein absolutes Muss. Vorteil vom Kauf eines Kits ist allerdings, das sämtliche Schläuche und Gefässe direkt aufeinander abgestimmt sind.

    Für Krisen wo Mobilität notwendig ist, sind portable Pumpenfilter besser geeignet. Insbesondere, wenn Wasser nicht ausreichend zur Verfügung steht: In flachen Pfützen oder Gewässern ist das Füllen eines Gravity Kits mit viel Arbeit verbunden. Das Aufhängen des Wassersacks sehen wir nicht als Problem: Erhöhte Stellen, Bäume oder Gebäude sind vermutlich immer irgendwo vorhanden.

    TOP Gravity Filterkit für die Meisten
    Mit dem Mini Filter ausgerüstet, ist dieses System komfortable weil alle Anschlüsse und aufeinander abgestummen sind. Funktioniert gut.

    Bestes Upgrade
    Mit einer Durchflussrate von ca. 1.5L pro Minute äusserst bequem und schnell. Qualitativ hochwertiger als das Sawyer-Kit - dafür allerdings auch etwas teurer. Es gibt Berichte, denen zufolge der Filter sehr schnell verstopft wurde. Wir hatten keine Probleme dieser Art.

    Strohhalm-Filter

    Obwohl sie wahnsinnig beliebt sind und häufig von Prepper-Einsteigern als erstes Tool gekauft werden, raten wir von Strohhalm-Filtern ab. Lass Dich nicht von obskuren Blogs dazu überreden, einen Survival-Strohhalm zu kaufen - es gibt nämlich praktisch kein Szenario, in dem wir lieber einen Strohalm als einen anderen Filtertyp bei uns hätten. Einzige Ausnahme: Du willst einfach einen haben..zum Beispiel als Every-Day-Carry in deinem Get-Home-Bag.

    Einer der schwerwiegensten Nachteile der Strohhalme ist, dass Du kein Waser aufbereiten kannst und in einem Gefäss speichern kannst. Die Aufbereitung ist durch das Saugen getriggert - das gereinigte Wasser landet im Mund. Wenn Du Wasser für einen Trip oder zum Kochen brauchst, musst Du es in eine Flasche füllen können. Wirst Du das saubere Wasser wieder ausspucken? Ein weiterer Nachteil: Du musst dein Gesicht ziemlich nahe ans Wasser bringen können um den Strohalm anzuwenden - einfach in der Theorie, aber in der Realität ziemlich mühsam. Bevor Du einen Strohhalm kaufst, mache eine Trockenübung. Ausserdem kann das Saugen bei verstopften Filtern ziemlich streng gehen.

    Die Vorteile von Strohhalmen sind offensichtlich: Die einfachste Handhabung kombiniert mit einer günstigen und sehr kleinen - das heisst portablen Lösung. Wir bevorzugen allerdings trotzdem einen Inline Filter: Strohhalme sind in unseren Augen Spielereien die man zum Überleben nicht benötigt.

    TOP Strohhalm Wasserfilter
    Wenn Du wirklich einen Wasserfilter-Strohhalm kaufen möchtest, können wir den Lifestraw Personal empfehlen. Einfach in der Handhabung, ansprechende Filterung bis 0.2 Mikrometer. Dadurch ist der Durchfluss etwas eingeschränkt.

    Flaschen-Filter

    Wir empfehlen bereits trinkbares Wasser sowohl im Notvorrat zu Hause, im Get-Home-Bag und im Bug-out-Bag bereitzuhalten. Eine Flasche mit integriertem Filter kann hier eine valable Option darstellen. Man sollte jedoch darauf achten, dass der Filter nicht im Trinkwasser lagert und allfällige Schadstoffe wieder ausgeschwemmt werden.

    Wir erachten die meisten Flaschen-Filter als nicht ausreichend robust für einen Krisenfall. Viele der Flaschen werden aus weichem Material gefertigt, so dass der Sog vom Saugen zusätzlich durch Druck auf das Gefäss unterstützt werden kann. Hintergrund ist, dass die Filter mit kleiner Porengrösse viel Sog benötigen um eine entsprechene Menge Wasser zu filtern. Weiche Gefässe sind allerdings anfällgi für Brüche und Lecke - eine Situation die man im Katastrophenfall gerne vermeiden möchte. Filter können in der Regel ersetzt werden

    Ähnliches wie für die Filter-Strohhalme gilt unserer Meinung nach auch für die Flaschen-Filter: Nicht notwendig zum Überleben. Für diejenigen die sich selber überzeugen wollen, stellen wir hier die besten Optionen trotzdem vor:

    Bester Flaschenfilter für die Meisten
    Filtert sowohl Bakterien als auch Parasiten mit 0.2 Mikrometer Hohlfasermembran (ca. 1000L Kapazität) und zusätzlichem Aktiv-Kohle Filter (ca. 100L Kapazität). Beide Filter können ersetzt werden. Fassungsvermögen 0.65L. Qualitativ hochwertige und stabile Flasche aus BPA-freiem Tritan die 222g wiegt. Nicht günstig, aber empfehlenswert.

    TOP Budget-Alternative Flaschenfilter
    2-Stufig, gefilterte Wasserflasche: Zunächst wird mit einer Hohlfasermembran organisches Material bis 0.2 Mikrometer gefiltert - anschliessend eine Aktivkohlekartusche um Pestizide und ähnliches zu filtern. Sehr ähnlicher Aufbau wie die Lifestraw Go Bottle - allerdings mit zusätzlichen Gimmicks (Kompass, etc). Qualitativ in unseren Augen etwas weniger hochwertig, dafür auch um einiges günstiger.

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